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Und da kam Frau Kugelmann

 

 

 

 

Titel: Und da kam Frau Kugelmann

Autor: Minka Pradelski

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt

Genre: Roman

Format: gebunden

Erscheinungsdatum: 2005

Preis: 20,00€

ISBN: 3-627-00125-0

 


Inhalt / Klappentext

 

"Überraschend erhält Zippy die Nachricht, dass ihre kürzlich verstorbene Tante Halina ihr ein altes Fischbesteck vererbt hat. Zippy, die wegen ihrer seltsamen Essgewohnheiten kaum reist, fliegt nach Tel Aviv, um ihr Erbe selbst in Empfang zu nehmen. Kaum angekommen, da klopft es an der Tür ihres Hotelzimmers: Eine freundliche, vor allem sehr Dicke Dame bittet darum, eingelassen zu werden.

Bella Kugelmann, so stellt sie sich vor. Zippys ungeduldiger Versuch sie abzuwimmeln, schlägt fehl.

Dann beginnt Frau Kugelmann zu erzählen: von ihrer Jugend im polnischen Bendzin, von Eltern und Verwandten, Schulfreunden, vom schönen Adam und der stolzen Polin, von Gonna und Kotek, dem Kätzchen.

Unermüdlich erzählt sie wunderbare Geschichten aus einer längst untergegangenen Welt, denen sich die junge Frau nicht entziehen kann.

Und als Frau Kugelmann plötzlich ein altes Fischbesteck erwähnt, begreift Zippy, dass es sich hier um ihre eigene Familiengeschichte handelt."


Meine Meinung zur Handlung, zur Geschichte

 

Zippy Silberberg, wie der Name vermuten lässt, Jüdin mit polnischen Vorfahren ist eine junge, seltsame, selbstironische Frankfurterin mit sehr speziellen Ernährungsgewohnheiten..."ließe ich meiner eiskalten Leidenschaft die Oberhand, so würde ich im Supermarkt in einer mannshohen Tiefkühltruhe hausen, den Kopf auf einer Kühltasche gebettet, umgeben von angebrochenen Packungen wie eine vereiste Königin im Schlaraffenland der Tiefkühlwaren." 

Nachts überkommt sie ein Heißhunger auf Tiefkühlgemüse und dies macht Urlaub in einem Hotel natürlich schwer, die Minibar zu klein und die Hotelküche mit ihren Kühlräumen für Gäste in der Regel nicht zugänglich und doch reist sie nach Tel Aviv, um ihr Erbe persönlich abzuholen, auch wenn sie nicht versteht wieso ihre Tante ihr etwas vermacht hat und vermutet deswegen etwas schicksalhaftes dahinter, einen höheren Sinn und Glück. 

Gerade im Zimmer angekommen klopft es auch schon an der Zimmertüre, Bella Kugelmann, eine alte Dame, an der wirklich alles kugelig ist stellt sich Zippy vor, gehöre zum Hotel und wolle mal schauen, ob alles ok sei. Ihre wirkliche Intention ist es aber, Zippy von ihrer Vergangenheit zu erzählen, ihrem Leben als Jüdin im damaligen Polen, ihrer Kindheit. 

Anfangs ist Zippy sehr genervt und will nichts sehnlicher, als Frau Kugelmann wieder loszuwerden, aber das ist unmöglich und so lässt sie sie erzählen, verliert sich immer mehr in den Geschichten und kann sich irgendwann einen Tag ohne Frau Kugelmann und ihre Geschichten nicht mehr vorstellen und irgendwann wird klar, dass Frau Kugelmann dabei ist auch Zippy´s Familiengeschichte zu erzählen und als Leser hängt man auch an Frau Kugelmann´s Lippen.

 

Das Buch ist kurzweilig, jedoch mit einigen Längen, die nicht uninteressant sind, aber sich doch sehr ziehen und ich war manchmal geneigt einige Seiten vorzublättern, was ich aber nicht übers Herz gebracht hätte.

Im Grunde ist die Aussage der Geschichte sehr klar, tot ist nur derjenige, der vergessen wird und das Schweigen zwischen den Generationen ist da ein sehr großes Problem, denn wirklich authentisch und überzeugend sind nur Zeitzeugen, davon gibt es nicht mehr viele.

Am Rande erfährt man sehr viel über die polnische Geschichte und hat so nebenbei noch etwas Geschichtsunterricht, alleine dafür haben sich die Längen gelohnt.