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Seht, was ich getan habe

 

 

Titel: Seht, was ich getan habe

Autor: Sarah Schmidt

Verlag: Pendo

Ersterscheinung: 2017 in der Originalausgabe "See What I´ve Done" bei Tinder Press; 2018 deutschsprachig beim Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH

Genre: Roman

Seitenanzahl: 379

ISBN: 978-3-86612-435-6

Preis: 20,00€


Inhalt / Klappentext

"Jemand hat Vater getötet! Mehrfach tönt der gellende Ruf durch das Haus der Bordens, als Lizzie ihren Vater blutüberströmt vorfindet.

Anscheinend wurde er mit einer Axt erschlagen.

Auch ihre Stiefmutter wird kurz darauf tot aufgefunden. Die Polizei findet an jenem schicksalhaften Morgen des 04. August 1892 kaum Spuren, dennoch erklärt sie Lizzie schnell zur Hauptverdächtigen. Zumal die junge sich nicht mehr daran erinnern kann, wo sie sich zum Zeitpunkt der Morde aufhielt.

Saß sie wie so oft unter den Birnenbäumen?

Wieso hörte sie dann keine Schreie?

Oder ist sie selbst am Ende verantwortlich für diesen Albtraum?

In ihrem unvergesslichen Debüt versucht Sarah Schmidt, die zwei tragischen Mordfälle zu rekonstruieren, die bis heute nicht aufgeklärt sind."


Handlung / Meine Meinung

Der Fall Borden ist alt, unaufgeklärt und auch in der Literatur schon oft Inhalt und seitenfüllendes Thema gewesen.

Ich habe lange Zeit hauptsächlich Krimis und Thriller gelesen und gerade true crime ist da dann besonders spannend. 

Ich war also wirklich gespannt, was da nun auf mich wartet.

Ein Buch in dem Lizzie als einzig mögliche Täterin hervor geht konnte es nicht sein, zumindest dachte ich, dass das dann nicht schon wieder jemand verlegt hätte, denn das gab es schon zu oft.

 

Der Aufbau des Buches ist sehr interessant und war für mich etwas verwirrend, das Buch und ich brauchten auch etwas um miteinander warm zu werden. 

Der Roman ist in drei Teile unterteilt und jeder dieser drei Teile wiederum in einzelne Kapitel und in diesen erzählt jeder der Protagonisten die Abläufe und Geschehnisse der Tage um den Mordtag herum aus seiner eigenen Sicht.

Dies ist wirklich sehr interessant, denn es gibt keinen klassischen Erzähler, alles sind Ich-Erzählungen.

Dieser Stil erzeugt große Spannung und vor allem zieht es den Leser doch deutlich mehr in den Bann, als wäre es ein Erzähler, der die Ereignisse schildert.

Die Protagonisten sind Lizzie Borden, Emma Borden, Bridget (das Hausmädchen) und Benjamin (ein mehr oder wenig Unbekannter).

Lizzie macht den Anfang und schnell wird klar, dass auch Sarah Schmidt Lizzie in den Fokus rückt und man muss sie einfach unsympathisch finden, ebenso fragt man sich wie klar sie überhaupt ist, ob nicht irgendeine psychische Erkrankung vorliegt. 

Die Autorin schafft es, alle vier Personen authentisch darzustellen, man kann anhand der Schreibweise irgendwann auch erkennen, wer gerade erzählt.

Auch die Konstellationen sind sehr schnell klar, wer mit wem, warum, usw

Der Mordfall bleibt auch hier natürlich ungeklärt.

 

Sarah Schmidt schreibt sehr bildhaft, was noch beeindruckender ist, ist die Tatsache, dass sie Gerüche so beschreiben kann, dass man sie auch wirklich riecht und das ist nicht immer wirklich schön, denn zB faule Zähne, ungewaschene Körper, Erbrochenes, tagealte Hammelbrühe riechen wirklich übel und um Gerüche geht es oft, alles wird sehr detailliert ge- und beschrieben. Flüssig und einfach zu lesen, wenn man drin ist, denn schließlich war die Sprache 1892 eine andere als 2018. 

 

Im Laufe des Buches wird klar, dass Lizzie nicht die einzige war, die ein Motiv hatte, sondern im Grunde fast jeder, der involviert war und den Bordens näher stand bzw Zugang zum Haus hatte. Denn sie hatten nicht nur Freunde, eigentlich gar keine, auch wenn die Bewohner von Fall River , das kleine Städtchen in dem die Bordens lebten ein anderes Bild der Famile hatte. Die Bordens waren eine reiche und sehr angesehene Familie.

In "Seht, was ich getan habe" stehen nämlich nicht die Morde im Vordergrund und die Mördersuche, sondern die Menschen.

Es ist furchtbar, was in diesem Haus zu ertragen war, schreckliche Gewalt, physisch und psychisch. Welche Mechanismen wann, wo wirkten, welche Dynamik innerhalb der Familienmitglieder. Wer da vermeindlich Täter, im Grunde aber auf jeden Fall Opfer war.

Auch da möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen, denn sonst nehme ich den Spaß es selber lesen zu wollen.


Mein Fazit

Wirklich gut und lesenswert, jedoch alles andere als leichte Kost durch die sehr bildhafte Sprache und die teils rohe Gewalt.

Ich bin gespannt auf weiteres von Sarah Schmidt, ich glaube von der kommt noch was...