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Libellen im Kopf


 

 

 

Titel: Libellen im Kopf

Autor: Gavin Extence

Verlag: Limes

Genre: Roman

Seitenanzahl: 337

Ersterscheinung: 2015 unter dem Titel "The Morror World of Melory Black; 2016 deutsche Erstausgabe bei LIMES

ISBN: 978-3-8090-2634-1


"Es ist ein schmaler Grad zwischen dem, was wir normal nennen und was nicht. Wann haben Sie das letzte Mal etwas Verrücktes getan?"


Inhalt / Klappentext

"Alles begann, wie es manchmal eben so ist, mit einem toten Mann.

Er war ein Nachbar - niemand, den Abby gut kannte, dennoch: Einen Verstorbenen zu finden, wenn man sich nur gerade eine Dose Tomaten fürs Abendessen ausleihen möchte, ist schon ein bisschen schockierend. 

Oder sollte es jedenfalls sein.

Zu ihrem eigenen Erstaunen ist Abby von dem Ereignis seltsam ungerührt, doch nach diesem Mittwochabend gerät das fragile Gleichgewicht ihres Lebens immer mehr ins wanken, und Abby scheint nichts dagegen unternehmen können...."


"Das Leben hat seine Höhen und Tiefen. Die Kunst ist es, das eine vom anderen zu unterscheiden."


Handlung / meine Meinung

Die Protagonistin dieser Geschichte ist Abigail Abby Williams, sie ist mitte 20, lebt mit ihrem Freund Beck in einer kleinen Wohnung in London, ist Journalistin, ironisch, humorvoll, hat einen Hang zum Kitsch, Raucherin und an Bipolarer Störung erkrankt.

Abby findet ihren toten Nachbarn, als sie sich eine Dose Tomaten leihen möchte, Beck bereitet gerade das Abendessen zu. Die Dose mit den Tomaten leiht sie sich auch, denn der Nachbar kriegt es ja eh nicht mehr mit und braucht sie auch nicht mehr, vorher raucht sie aber erstmal eine seiner Zigaretten, weil sie ihre eigenen in ihrer Handtasche hat und die ist in ihrer Wohnung. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sie die Leiche ihres Nachbarn findet und erstmal eine Zigarette braucht um sich wieder lebendiger zu fühlen nach dem Fund.

Damit startet die Geschichte und der Leser wird sofort ins Geschehen geworfen.

 

Abbys Leben gerät mächtig aus der Bahn nach diesem Abend, allerdings bemerkt Abby Anzeichen dafür, dass die Erkrankung gerade mächtig tobt nicht, sondern empfindet ihre Realität, als normal. Beck hingegen fallen viele Dinge auf, sie konsumiert Drogen, mißbraucht Medikamente, verfällt in einen Kaufrausch und vieles mehr. 

In Dr. Barbara hat sie nach langer Odysee eine gute Therapeutin gefunden, der sie vertraut und die Zugang zu Abby hat.

 

Abby erzählt diese Geschichten, denn der Autor hat die Ich-Perspektive gewählt.

Durch die Direktheit von Gavin Extence in diesem Roman zieht Abby den Leser sehr schnell und sogartig in ihre Welt. Die Schilderung von Abby´s Umwelt, ihre Gedanken sind sehr genau und offen.

Die Erkrankung wird dem Leser in allen Farben und Formen "vorgestellt" durch Abby´s Leben damit. Schnell möchte man wissen, welchen Weg Abby einschlägt, wohin sie ihr Weg führt. Sehr schnell empfindet man auch Sympathie oder Antipathie gegen die anderen Personen in dem Roman.

Die Geschehnisse folgen immer rascher aufeinander, sodass die Spannung stark aufgebaut wird, teilweise etwas zu schnell und dann sind auch mal ein paar Längen dabei.

Das Buch ist sehr lebhaft und an Geschehen mangelt es nicht, es passt also zum Außen. Der orange Mantel des Buches ist schön gestaltet mit einem Leuchtturm, dem Meer und natürlich den im Titel vorkommenden Libellen. 

Libellen findet der Leser auch im Inneren, denn jedes Kapitel hat einen Titel bekommen und dort flattern auch Libellen. 


"Schließlich entschied ich mich für Tod am Nachmittag - ein Schuß Absinth mit eiskaltem Champagner. Der Drink war eine Erfindung von Hemingway. Ich war zwar kein großer Fan von Hemingways literarischen Ergüssen, aber wie er es mit dem Alkohol auf die Spitze trieb, konnte ich nur bewundern."


Mein Fazit

Ich finde den Umgang mit der Erkrankung, die Schilderung der Emotionen, all ihre Facetten, ehrlich, direkt und unbeschönigt wirklich toll.

Mit sehr viel Empathie und Humor setzt der Autor es um und macht es dem Leser leicht der Krankheit näher zu kommen, denn in der Gesellschaft sind psychische Erkrankungen immer noch Tabuthemen.

Alles in Allem eine gelungene Geschichte, zwischendurch zieht sie sich etwas, manches Mal ist sie etwas zu schnell und zu kurz, aber das hält sich dann auch wieder die Waage.

Ich finde es gut, wenn solche Themen in Büchern aufgegriffen werden und dann auch noch auf so eine tolle, direkte, authentische Art und Weise.

Ohne dieses Buch hätte ich den Drink "Tod am Nachmittag" wohl nicht kennengelernt, rangetraut habe ich mich noch nicht. ;-)

Eine Leseempfehlung bekommt dieser Roman.